Warum ist das so? Zunächst hat uns das Leben unglaublich geprägt. Aus Prägung wird Gewohnheit, aus Gewohnheit Alltag, und der Alltag gibt uns Sicherheit. Je weniger wir verändern, desto weniger riskieren wir ungeliebte Überraschungen. Wir verlassen uns auf unser eingebautes Navigationssystem.
Was aber, wenn aufgrund einer Straßensperrung der einprogrammierte Weg plötzlich nicht mehr funktioniert? Haben wir dann Google Maps mit der idealen Ausweichroute schon im Kopf? Eher nein, denn dann fangen wir mit der akuten Problemlösung erst an. Und das bedeutet gemeinhin Druck und Stress. Die Uhr tickt gegen uns, wir kommen zu spät.
Beim Vergleich des Alltags eines mittelalterlichen Webers mit dem eines Börsenmaklers wird eines klar: Die Veränderungen unserer Lebensumstände sind heute radikaler und um ein Vielfaches schneller. Ausgelöst von dieser Dynamik entwickeln wir ein anderes Zeitgefühl. Auch lassen wir den Dingen weniger Zeit zu wachsen. Masthühner haben nach 30 Tagen ihre Schlachtreife erreicht und fallen um, weil ihre Beinknochen nicht schnell genug mitwachsen können. Eine solche Deformation entsteht bei uns Menschen weniger in den Knochen als vielmehr im Gehirn, wenn wir uns nicht genügend Zeit geben, neue Informationen zu verarbeiten. Es leiden die Kreativität, der Innovationsgeist und das gesunde Bewusstsein.
Doch warum brauchen wir das alles? Reicht es denn nicht, akut reaktiv zu handeln? Nun ja, einige von uns kommen offenbar mit dieser Lebensphilosophie gut zurecht. Wer es schafft, sich anzupassen und dabei nicht zu jammern, sei glücklich. Für Unternehmen, die Verantwortung für das Wohl ihrer Mitarbeitys haben, sollte die Zukunftssicherung im Mittelpunkt stehen. Und dazu gehört es, Zukunftsfähigkeiten zu entwickeln, die Innovationskraft zu fördern und Freiraum für kreative Neuschöpfungen zuzulassen. Denn die Zukunft wird letztlich durch das eigene Handeln gestaltet. Und dazu müssen wir unsere Teams bewegen. Wir müssen systemische Fähigkeiten trainieren, also das eine üben, um das andere zu können. Es braucht einen freien Blick in die Zukunft und ein frühzeitiges Training, bevor die nächste Krise einschlägt. Daraus entsteht die Fähigkeit zu intuitivem – richtigem – Handeln. Oder um auf die Straßensperre zurückzukommen: andere Ausweichrouten zu kennen, die möglicherweise ja sogar schöner sind!